"Madagaskar 3" Morondava by chmy

Morondava Travel Guide: 49 reviews and 176 photos

Kinder der Sonne

Wir sind an der schoenen, heissen Westkueste Madagaskars : Weisse Sandstraende wechseln sich ab mit Mangroven-Hainen; das Wasser des Mozambique-Canals ist mit seinen knapp 30°C keine echte Abkuehlung, dafuer kann man sich stundenland treiben lassen.
Wir geniessen die Ruhe, das Nichtstun, das beschauliche Dorfleben und schwitzen, waehrend wir an den deutschen November denken.
Aufgrund der Hitze laeuft das Leben hier nochmal ein wenig langsamer als im Rest des Landes, und immer wieder wird uns bewusst, dass ein grosser Teil der malegassischen Bevoelkerung fuer unsere Begriffe noch im Mittelalter lebt. Nahezu alle Taetigkeiten werden von Hand verrichtet; die Frachtschiffe, die den Ort hier versorgen, sind Zweimaster ohne jeglichen Motorenantrieb, das Be- und Entladen findet nur durch Koerperkraft statt, vielleicht unterstuetzt durch einen einfachen Flaschenzug; die Reisfelder werden von Hand bestellt; groessere Strecken werden zu Fuss oder, wenn vorhanden, mit dem Zebukarren zurueckgelegt.
Gekocht wird auf offenem Feuer und genaeht mit den guten alten Singer-Handnaehmaschinen.
Vor ein paar Tagen besuchten wir einen Zebu-Markt hier in der Gegend und waren ueberrascht, wie ruhig es dort zugeht. Erwartet man als Europaeer unter einem Viehmarkt doch reges Treiben, einen Umschlagplatz ganzer Herden. Stattdessen erlebten wir es, wie in einem Grimm’schen Maerchen, in dem der Bauer seine einzige Kuh 25km weit zum Markt treibt, in der Hoffnung einen guten Preis zu erziehlen.
Eine echte Wonne hier sind die Kinder. Sind wir es ja schon gewohnt, mit einem “Bonjour Vazaha” begruesst zu werden, scharen sich hier oft ganze Horden von Kindern um uns, die einfach Freude daran haben, mit uns Fremden in Kontakt zu kommen, ein Stueck mit uns an der Hand zu gehen, uns ‘was vorzusingen. Das allergroesste fuer die Kleinen ist, wenn man sie fotografiert. Alle wollen mit aufs Bild. Und wenn wir ihnen das Foto hinterher auf dem Display der Kamera zeigen, nimmt das Gejohle und Gelache gar kein Ende. Immer wieder wollen sie die Bilder sehen. Die reine Freude! Fluch unseres Wohlstandes, dass unsere Kinder die Freude an den einfachsten Dingen verlieren.

auf der Baobab-Allee zu den Fossa

Eine absolute Besonderheit dieser Gegend sind die Baobabs. Diese riesigen urtuemlichen, uralten Affenbrotbaeume kommen hier besonders haeuffig vor und sind durch ihre einmalige Form nochmal ganz anders als die Affenbrotbaeume, die wir bereits aus dem restlichen Afrika kennen. Wie Wesen aus einer anderen Welt ragen die Baobabs, der aelteste dieser Gegend ist an die 800Jahre alt, in den Himmel.
Zu recht hat sich die “Baobab-Allee” zum absoluten Tourismus-Magneten entwickelt. Die Baumriesen saeumen die Strasse. Ein herrliches, beeindruckendes Bild im Sonnenuntergang.

Diese Allee fuehrt zum Kirindy-Forrest, einem Wald, der auf dem besten Wege ist zum Natrschutzgebiet erklaert zu werden. Dort verbrachten wir ein paar Tage.
Angeblich ist es DAS Gebiet, um Fossa zu sehen, die einzigen Raubkatzen Madagaskars, die Jagd auf Lemure machen. Glueckliche Fuegung: genau jetzt ist ihre Paarungszeit.
Und wirklich, nicht nur ganze Horden verschiedener Lemurenarten begrusste uns dort, sondern auch diese Schleichkatzen liessen sich blicken und nachts beim Liebesspiel hoeren.
Wir machten auch naechtliche Exkursionen. Dortim Wald wimmelt es nur so von nachtaktiven Lemuren, von denen die kleine Mauslemure sicher das Niedlichste ist, was man sich vorstellen kann.
Wir sind dankbar fuer das Glueck, das wir haben.

Vanilleduft und kein Sprit im Tank

Waehrend es in Deutschland immer kaelter wird, der erste Gluehwein getrunken und die ersten Vanillekipferln gegessen werden, haben wir uns mal in der Welt der Vanille-Produktion umgesehen.
Eigentlich sind wir nach Sambava, was an der Ostkueste liegt, gekommen, um hier einen sehr vielversprechenden Nationalpark zu besuchen. Aber der Touroperater vor Ort verlangte einen dermassen exorbitanten Preis, und fuer eine selbstorganisierte Tour fezhlt uns langsam die Zeit, so dass wir kurzfristig umplantan. Ist doch Sambava die “Vanille-Hauptstadt”. Schauen wir uns das doch mal an.
Ueber unser Hotel buchten wir dann eine Tour zu einer Vanille-Plantage. Wir rechneten mit dem hier ueblichen uralten Peugeot als Vehikel und waren ganz positive ueberrascht, als ein blitzblanker, neuer, grosser, achtsitziger Hyundai-Bus vor der Tuer stand.
Los ging’s. Wir zaeumten das Pferd von hinten auf und besuchten zunaechst eine kleine Vanille-Fabrik, in der uns gezeigt wurde, wie die Vanille-Schoten getocknet, hand-sortiert und verpackt warden, um dann in alle Welt verschickt zu werden.
Sehr urige Atmosphaere zwischen all den alten Holzkisten, Vanille-Schoten, die in der Sonne ausgebreitet liegen und der Duft….. hmmmmmm…..
Weiter ging’s zu einem Vanille-Feld, auf dem uns erstmal ein wunderschoenes Chamaeleon begruesste. Nein, auch nach fuenf Wochen Madagaskar, hab ich davon noch nicht genug.
Nachdem wir uns irgendwann von diesem besonders bunten Exemplar losreissen konnten, wandten wir uns pflichtbewusst den Pflanzen zu, was natuerlich weitaus weniger spektakulaer fuer uns ist. V.a. dad ort z.Zt. keine einzige Pflanze blueht, und somit auch kein Arbeiter auf dem Feld war.
Ganz interessant vielleicht fuer alle Leute, die Spass an Botanik habe: Vanille ist eine Orchideen-Spezies , die eigentlich in Suedamerika beheimatet ist. Sie ist eine Schmarotzerpflanze und braucht deshalb einen Baum, an dem sie sich hochranken kann.
In Suedamerika wird sie von einem bestimmten Kaefer befruchtet, der in Madagaskar allerdings nicht vorkommt. Also wird die Bestaeubung hier von Hand durchgefuehrt. Bluete fuer Bluete. Verruecktes Land!
Unser Fahrer war nun dermassen enttaeuscht, dass keine Arbeiter auf dem Feld zugange waren; so setzte er seinen ganzen Ehrgeiz darein, uns doch noch die Prozedur der Hand-Bestaeubung zeigen zu koennen.
Wir fuhren also 30km durch herrliche gruene Landschaft, vorbei an ueppig beladenen Litchi- und Mangobaeumen, bogen irgendwann in einen kleinen Feldweg zu einem kleinen Dorf und gelangten an eine Schule. Und im kleinen Schulgarten, da bluehte auch die Vanille.
Gerade wollte unser Fahrer ansetzen, uns nun zu zeigen, wie das geht mit den Bluemchen ohne Bienchen, da fing die Schulpause an. Innerhalb kuerzester Zeit waren wir umringt von ca.50 Schuelern, die einen Heidenspass daran hatten, dass wir ihre Vanille begafften. Der Lehrer fuehret uns dann hoechstpersoenlich die Befruchtung vor.

Eigentlich war unsere Tour damit zu Ende und unser Plan war es, noch am gleichen Tag in den naechsten groesseren Ort, Vohemar, per Taxi-Brousse zu fahren. Nun waren wir schon besagte 30km in genau die richtige Richtung gefahren und unser Fahrer schlug uns vor, wenn wir ihm ein bisschen Geld fuer den Tak geben wuerden, so dass er wieder zurueck kaeme, wuerde e runs die restlichen 100km auch noch fahren. Al ser uns sagte, wieviel er haben wollte, schlugen wir sofort zu: umgerechnet etwa 8 Euro.
Ich war zwar etwas misstrauisch, weil ich nicht sehen konnte, was sein Gewinn sein sollte, aber die Richtung stimmte. Nach ziemlich kurzer Zeit piepste der Tank das erste Mal, wir hatten immer noch etwa 70km vor uns. Aber unser Fahrer liess sich davon nicht im mindesten irritieren und fuhr Froehlich an der einzigen Tankstelle vorbei. Die Tankanzeige piepste wieder und wir fuhren und fuhren.

Fortsetzung unter

Antsiranana

  • Last visit to Morondava: Nov 2007
  • Intro Updated Nov 28, 2007
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