"Strandspaziergang Niafourang - Kafountine" Niafourang by toubab

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Niafourang

urz vor der Grenze zu Gambia, dort wo der Grenzfluss Allahein ins Meer mündet, liegt Niafourang, ein Örtchen mit zwei Dutzend Hütten, einer Mini-Schule, einem Kirchlein und einem nie funktionierenden Telecenter. Es wäre nicht der Erwähnung wert, wenn sich nicht vor einigen Jahren einige Franzosen dort engagiert und ein einfaches Campement errichtet hätten. Dieses liegt einen Kilometer vom Ort entfernt am Fluss und wenige Minuten Fußweg vom Sandstrand entfernt.
Seit zwei Jahren haben sich die Sponsoren zurückgezogen, nun kümmert sich der Geschäftsführer Ousmane Sané mit seiner Frau um das Wohl der Gäste. Von denen allein kann er nicht leben, daher hat er einen Miniladen für die Dorfbewohner installiert und kommt "so lala" über die Runden. Für Investitionen reichen die Einnahmen kaum, noch funktionieren Wasserturm und Solarstromanlage, die Einrichtung zeigt schon einzelne Verfallsmerkmale, wirkt aber insgesamt noch recht einladend. Wer die Zurückgezogenheit in Natur und untouristischer Umgebung und eine einfache Unterkunft liebt, ist hier bei Ousmane im Campement Tilibo gut aufgehoben.
Vom Campement zum Meer geht es über das Gelände der zweiten Anlage in Niafourang, der "Domaine de Kabadio". Ein französisches Paar betreibt die komfortablere Unterkunft, in der vor allem Angler ihrem Hobby nachgehen und wo sich am Abend der Sonnenuntergang bei einem Glas Campari-Orange genießen lässt.
Der hier ins Meer strömende Fluss ist ungemein fischreich, wovon ich mich bei einem kurzen Lehrgang im Wurfnetzfischen überzeugen konnte, wenn auch meine Erfolge hierbei sich auf das einigermaßen runde Auswerfen des Netzes beschränkten. Der eine magere Fisch, der mir in den Maschen hängen blieb, war wohl ein krankes oder müdes Exemplar. Dailia, der Fisher aus Niafourang, der mich begleitete, war erfolgreicher und fädelte die Fische fachmännisch auf einen gefundenen Plastikstreifen auf. -
Der Spaziergang am Strand entlang geht in Richtung Süden; der Sand unter den Fußsohlen ist sehr angenehm, gelegentlich lassen ich die flach auslaufenden Wellen meine Füße abkühlen. Der anfangs breite Strand wird bald schmaler und grenzt schließlich an ein Mangrovenwäldchen. Bei Ebbe könnte ich ungehindert den Weg fortsetzen, jetzt bei Flut muss ich einen kleinen Umweg durch Büsche und über Dünengras nehmen. Nach einigen hundert Metern ist die Sandfläche wieder begehbar. Wenige Menschen sind hier unterwegs, und so kann ich das Geräusch der Wellen, die Sonne und den Sandboden unter meinen Füßen ungestört genießen.
Als ich ein leises, allmählich deutlicher werdendes Tuckern höre, weiß ich mich in der Nähe des Luxushotels Kalissai, das mit kräftigem Generator, Funkmast und eigenem kleinen Flugplatz eine eigenartige Oase bildet, einen Kontrast zu den meist einfachen Unterkünften in Niafourang und Abéné. Vorm Kalissai sind schon mal Surfbretter zu sehen, Liegestühle und ein Wassermotorrad, von hier starten auch gelegentlich Squads zu ihren störenden Fahrten den Strand entlang. Doch wie in den meisten Unterkünften an der Küste der Casamance finden sich die Touristen in der Saison von Dezember bis April ein, sonst ist der Strand den einheimischen Fischern vorbehalten. Jetzt, Ende November, kommen die ersten Touristen an. Den Angestellten, der konzentriert den Sand harkt, grüße ich und lasse das Kalissai mit seinem Generatorgeräusch hinter mir.
Einige hundert Meter weiter mache ich an einem Baumstumpf eine Pause, eine Stelle, die ich vor einigen Tagen mit dem Rad passiert habe. Jahr für Jahr frisst das Meer ein wenig mehr vom Land weg; hier hat es einige zu strandnahe Bäume erwischt, an anderen Stellen ist auch die Bebauung betroffen. Das Campement "À la nature" in Kafountine versucht sich mit Betonierungen und Sandsäcken gegen das Meer zu schützen; doch diese Maßnahme kann nur für wenige Jahre den kontinuierlichen Landfraß aufhalten, der überall an der Petite Côte und der Küste der Casamance anzutreffen ist.

Abene

Ein junger Einheimischer kommt den Strand entlang und ich weiß, dass er sich zu mir setzen wird, versuchen wird ein Gespräch anzufangen. Freundlich und unbefangen geht er die übliche Fragenfolge durch, der man an schlechten Tagen ein Dutzend Mal ausgesetzt sein kann. Wie heißt du? Woher kommst du? Wie lange bist du in Senegal? Bist du zum ersten Mal hier? etc. Ich bin wortkarg, abweisend, sage, dass ich den einsamen Strand genieße, antworte auch auf einige Fragen gar nicht, kurzum verhalte mich so, dass jeder Europäer sofort verstehen würde, dass hier jemand allein und ungestört sein möchte. Das kommt aber nicht an. Hinter dem Verhalten, das bei uns als unhöflich, aufdringlich bis unverschämt gelten würde, steckt hier neben dem finanziellen Interesse am "Toubab" die Einschätzung, dass jemand der allein ist, gerne Gesellschaft hätte. Alleinsein ist eher negativ konnotiert, man ist aus der Familientradition heraus nicht gewohnt alleine zu sein und vermeidet dies auch, wenn es irgend geht.
Irgendwann, als Boubacar den Tourismus in der Casamance anspricht, antworte ich doch mit einem ganzen Satz, und da kommen wir doch in ein Gespräch. Der junge Mann entpuppt sich als Student, der sein Geologiestudium in Dakar aus Geldmangel abgebrochen hat und nun seinem Bruder hilft ein kleines Campement im Dorf zu führen. Seine Ansichten über die Folgen des Tourismus für Senegal und auch für Abéné sind differenziert und engagiert. Ich werde gesprächiger, der Kontakt wird für uns beide interessanter und das Gespräch endet mit einer Einladung ins Campement seiner Familie, die ich, ohne mich zeitlich festzulegen, dankend annehme.

Das Filaowäldchen von Abéné, einem kleinen Mandingedorf, reicht bis zum Strand und markiert so die Stelle, wo die Stichstraße vom Ort nach zwei Kilometern das Meer erreicht. Auch die bunten Pirogen am Strand werden beim Näherkommen deutlicher. Ich gehe am Kossey vorbei, meiner Lieblingsunterkunft in Abéné, ein in einem gepflegten Garten
gelegenes Campement mit sechs Rundbungalows mit Dusche und WC, nah am Strand gelegen. Noch direkter am Strand und praktisch auf dem Weg liegt die neue Strandbar. An den fähnchengeschmückten Pirogen vorbei, in deren Umkreis es übel nach Fisch riecht, geh ich in den Schatten des kleinen Palmblätterdachs und bestelle eine Fanta.
Abéné ist für sein Musik-Festival bekannt, das jeweils zum Jahreswechsel stattfindet. Lokale und regionale Musikgruppen spielen neben einzelnen ausländischen Formationen, meist französischen. Festivalzeit ist Hochsaison, und jeder will an den nun zahlreicher kommenden Touristen etwas verdienen. Kleine Buden mit Kunstartikeln sind über Nacht am Hauptweg oder am Strand installiert, Restaurants öffnen den Betrieb für zwei bis vier Wochen, die Preise steigen etwas und überall sind junge Männer mit Rasta-Frisuren zu sehen. Aus dem nahen Gambia kommen sie herüber, englisch sprechend, locker drauf – "hello, my friend, no problem, yeah!" –, suchen den Strand ab nach Toubabs, besonders weiblichen, zu denen sie sich gesellen können und von denen sie sich nach einem Gespräch einen lukrativen Kontakt versprechen. An den gambischen Touristenmeilen geschult, sind sie den eher zurückhaltenden jungen Mandinge oder Diola des Ortes im Kommunikationsverhalten überlegen. Guides und Trommellehrer sind sie alle, gerne auch Begleiter bei Einkäufen und Restaurantbesuchen.
Die Atmosphäre ändert sich in dieser Zeit: die englischen Floskeln verdrängen die französischen, als Tourist wird man häufiger und etwas aggressiver angesprochen, die Sounds der zahlreichen Trommelgruppen - einheimische, die fürs Festival üben, und touristische Lerngruppen - verstummen auch nachts nicht mehr. Eine lebendige, geschäftige Unruhe hat die sonst herrschende Gemächlichkeit verdrängt und wird den Ort erst lange nach dem Festival wieder verlassen. -

Kafountine

Von irgendwoher tauchen Rinder auf, machen einen Strandspaziergang, der sie bis zur nächsten Grasecke führen wird. Die Fanta für 500 CFA, umgerechnet 75 Cent, ist ausgetrunken. Ich gehe weiter an den als Privatbereiche gekennzeichneten Uferstreifen vom Hotel Casamar und Maison Sunjata vorbei, Die Strandbebauung ist in der Nähe von Abéné etwas dichter; auch angefangene, halb- oder dreiviertel fertige Häuser sind hier vom Strand aus zu sehen. Die Einheimischen bauen solange, wie das Geld reicht. Zumindest ein sichtbarer Baubeginn wird erwartet, denn ohne eine solche sichtbare Inbesitznahme des Grundstücks kann die Gemeinde das Land nach zwei Jahren weiterverkaufen. Aber da reicht in der Regel eine Grundsteinsetzung oder eine Ummauerung des Geländes. Auch einige Europäer, Holländer, Belgier und Deutsche vor allem, haben sich hier niedergelassen. Als Europäer hier ein Häuschen zu bauen ist einerseits nicht teuer, andererseits langwierig und oft mit viel Ärger verbunden, besonders wenn man keine verlässlichen einheimischen Berater vor Ort hat. Gerne wird dem "Toubab" ein höherer Preis abgehandelt, und an die geringe Verbindlichkeit von Absprachen, vor allem solche, die eine zeitliche Festlegung betreffen, kann man sich als Europäer nur schwer gewöhnen. Ich überhole die kleine Rinderherde, die bereitwillig zur Seite weicht und sehe schon in der Ferne den nächsten optischen Anhaltspunkt auf diesem Weg, ein Schiffswrack, das erste von zweien, die im seichten Strandwasser seit Jahren vor sich hin rosten.
Das erste liegt vollständig im Wasser und wird auch bei Ebbe nicht völlig sichtbar und erreichbar, wohingegen das zweite bei zurückgewichenem Wasser zu Fuß fast zu umrunden ist.
Das Schiffsskelett mit den braun-rot-scharzen Rosttönen wirkt eigenartig malerisch und lädt ein zu Phantasien über die möglichen Ursachen der Havarie.
An einer Strandstelle zwischen zwei etwas größeren Campements, hat sich ein Händler niedergelassen, der die üblichen Kunsthandwerksobjekt anbietet. Er kommt aus seiner kleinen Hütte heraus auf mich zu und beginnt das übliche Verkaufsgespräch. Aber ich habe keine Lust auf Anschauen und Kaufen und gehe mit einem freundlichen "No, merci" weiter. Die Muscheln am Strand sind ungewöhnlich dick, verglichen mit denen, die ich von der holländischen Küste kenne, auch schönfarbige Spiralmuscheln glänzen in der Sonne. In größeren Abständen liegt immer wieder mal ein toter Fisch, um den sich Möwen oder die zahlreichen flinken Strandkrebse intensiv bemühen.

Wieder ist es ein Filaowäldchen, das den Ort markiert bzw. den kleinen Fischerhafen von Kafountine. Der Ort selbst befindet sich, wie Abéné, knapp zwei Kilometer landeinwärts. Eine improvisierte Strandbar lädt zu einem letzten kurzen Aufenthalt ein, bevor es in den Ort und mit dem Wagen zurückgeht.

Kafountine ist mehr auf Touristen eingestellt als Abéné, es gibt mehrere Campements, auch etwas komfortablere, der Ort ist mit Strom versorgt, hat zwei Internetcafes, einen Markt und ist auch für die Menschen aus Abéné Ziel ihrer über das Nötigste hinausgehenden Besorgungen. Vom Meer her komme ich über die geteerte Straße in den Ort, der etwas heruntergekommen wirkt; Schmutz und halbfertige oder halbverfallene Häuser erzeugen diesen Eindruck, jede dritte Hütte ist entweder "Restaurant" oder verkauft touristisches Kunsthandwerk (Masken, Stoffe, Schmuck etc).
Am Taxihaltepunkt warte ich eine halbe Stunde auf einen Car, eine gute Gelegenheit einige Bananen und Postkarten zu kaufen und eine Fanta zu trinken. Dann sind auch schon die fünf Passagiere zusammen, und es geht los nach Kabadio, von wo ich noch etwa vier Kilometer zu Fuß bis zum Ausgangsort Niafourang zurücklegen muss. Das wird anstrengend, doch nach einer Dusche und einer kleinen Pause ist es dann bald Zeit für den abendlichen Aperitif mit Aussicht, auf den ich mich schon jetzt freue...

  • Last visit to Niafourang: Jan 2006
  • Intro Updated May 18, 2007
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toubab

“go slow”

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