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semmel   
...und von den zwei Wegen waehlte ich den weniger augetretenen...


Real Name: Robert Tremmel
Lives In: Greifswald, DE
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BalkanTour 2004

by semmel - last update: Mar 27, 2004

Einige weitere Impressionen aus Sofia

In den zwei Tagen bin ich zwar nicht mehr ganz so viel herumgelaufen, aber habe nichtsdestotrotz einiges gesehen. Ich war in der Staedtischen Galerien. Etwas wenig spekatakulaer ist eher das Archologische Museum, auch wenn Bulgarien reich an Funden roemischer, hellenistischer und thrakischer Kultur ist. Aber Tiffany-workshops aus der Antike bleiben fuer mich etwas uninteressant unter anderem auch, weil mir das Wissen um die Kulturen fehlt. Besser war da schon mein gestriger Besuch in der Oper: La Gioconda von Ponchielli. Eine Melodie aus dieser Oper duerfte auch allgemein sein der Koppenrath&Wiese-Gefriertortenwerbung bekannt sein. Ausserdem habe ich einge weitere Kirchen mit wiederum wundervollen Wandmaerein besichtigt und eine kleine Geschichte fuer die Ethnologen unter Euch haben mir meine neuen Freunde aus dem Studentenheim vermittelt. Am 1.Maerz wird hier der Freuhlingsbeginn gefeiert. Auf den Strassen gibt es an jeder Ecke Babuschkas, die rot-weisse Baendchen verticken. Man schenkt sich diese dann unter Freunden und wuenscht sich beim Knotenmachen um das Gelenk irgend etwas, was dann bis zum herbstlichen Abflug der Zugvoegle in Erfuellung gehen soll. So lange bleibt das Band auch dran.(Leute mit vielen Freunden kaufen praktischerweise das Wollgewebe gleich auf der Meterrolle.) Die Hintergrundgeschichte dazu: Einst war ein bulg. Kriegsheld, der schickte seiner Liebsten per Brieftaube eine Botschaft auf wissem Papier ueber den siegreichen Ausgang der Schlacht. Der Vogel kam sogar an, hatte sich aber verletzt und bluetete auch auf die Botschaft: Rot-Weiss (Erfurt).
Aus der Symbiose aus Hereos und Eros ist dann dann das Martiniza, das 1.Maerzbaendchen entstanden. Ein original bulgarisches Stricksal.
Ansonsten koennt ihr Euch daheim natuerlich vorstellen, dass in Studgrod viel gefeiert wird. heute abend schauen wir bulgarische Kinderfilme, damit die Auslaender auch was verstehen. Mnogo Dobre.
HIER WEITER: Das bulg. Kinderfilmfestival war eher eine kleine Diashow. Jemand hatte noch aus Urzeiten so eine sowjetische Maerchenmaschine. Wir haben "Lazy Cat" - paedagogisches Lehrstueck - und "Die Schatzinsel" gesehen. Von etwa 20 anwesenden Bulgaren konnte 2, 3 noch verstaendlich Englisch sprechen und trotzdem wurde mir mit viel Muehe die Story, die sich per bulg. Untertitel abspielt, uebersetzt.
Die naechsten Tage waren insofern nicht weiter aufregend, da es die ueblichen Parties und Stadtspaziergaenge waren. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben in einem Technoclub (hab's ueberlebt!) und am Sonntag bei einer bulg. Alternativband im Backstage Live Music Club. Shade, dass dort nur etwa 30 Gaeste waren, denn ansonsten war's gar nicht uebel. Es gab sogar Murphys Red. So langsam wird mir Sofia aber etwas langweilig, man trifft eher selten Leute, mit denen man sich gut unterhalten kann, denn mit den anderen ist die Sprachbarriere fuer etwas mehr als der uebliche Schnack unueberwindbar. Und so verliert sich auch so langsam das Interesse der Bulgaren an mir und ich bin quasi schon ein normaler Blockmitbewohner. Immerhin war es gestern noch mal sehr nett, ein paar von den rot-weissen Baendern zu kassieren und zu verschenken. Nach neuesten Informationen bleiben die aber nun doch nur bis zu der Wiederkehr der Zugvoegel bzw. bis die ersten Primeln bluehn darn und werden danach an die Baeume gehaengt. Gestern waren es hier ueber 20 Grad in der Sonne, heute Nacht hat es allerdings geschneit. Vielleicht macht mich das Wetter auch ein bisschen antreibslos, denn eigentlich spuer ich, dass ich jetzt mal weiterziehen muesste, andrerseits hab ich aber keine Lust, mich zu bewegen. Kommt Zeit, kommt Rat.

Attacka, Attacka, Silnaja Attacka!!!

ich wuerde ja sagen, dass ich bisher kein Pech auf meiner Tour gehabt habe. Das mit der Bankkarte war ja ..., eben. Aber heute hatte ich wohl mal richtiges Glueck. Erstens, weil ich Jasmin am Telefon erreicht habe und ich ihr Geburtstagswuensche uebermitteln konnte, zweitens, weil ich in einem Cafe den Bayer Leverkusener Spielebeobachter getroffen hat. Der selbst hat zwar nichts mit meinem Glueck zu tun, aber sein bulgarischer Kollege, der auch vor Ort war, hat mir eine Karte fuer das heutige Uefa-Cup-Spiel Levski Sofia - 1.FC Liverpool vermacht; Haupttribuene, 1.Loge. Und aus dem mit 40.000 Mann gefuellten Stadion komme ich nun gerade auch. Zwar hat Levski verloren, mit 2:4, hatte sogar noch einen 0:2-Rueckstand aufgeholt, aber insgesamt waren die Mannen um Mark Owen und Didi Hamann einfach ne Spur besser und die ersten beiden Gegentore (in den ersten 12 Minuten) waren Riesenaussetzer der Levski-Abwehr. Stimmung bleib aber trotzdem gut, die mitgreisten 3.000 Fans von der Merseyside hatten an Laerm nicht viel gegen das "Attacka, Attacka, Silnaja Attacka!!!" zu bestellen. Das heisst uebersetzt so viel wie "blaue Attacke", da Levski stets in Blau spielt. Tja, wieder mal ein Hoehepunkt und auch gut, ich bin heil wieder nach Hause gekommen, denn der normale Bulgare sieht mich eher als Angelsachsen denn als Seinesgleichen. Aber die Bulgaren sind eben auch ein sehr,s ehr friedliches Volk. Kein ueberanstrengter Nationalismus und ein normales Mass an Flaggendichte pro Kubikkilometer. Ganz anders ja in Rumaenien. Morgen fahre ich in die Rhodopen, das Grenzgebirge zu Griechenland. Melde mich dann wahrscheinlich auch erst aus Hellas wieder.

Nachtrag: ich hab gerade noch mal im Netz nachgeschaut, mit wem ich da gestern Nachmittag Kaffee getrunken habe: Dieter Herzog, im Fussballweltmeisterteam von 1974 mitgespielt und mit Trayko Sokolov, Anfang der 80er bei Lok Sofia, immerhin auch UefaCup Halbfinale gegen Stuttgart. Naja, was einem so alles passieren kann.

Sofia, Rhodopen und Abschied

Die naechsten Tage in Sofia plaetscherten so dahin. Ein paar Museen mehr oder weniger, alle ohne relative Bedeutung an dieser Stelle. Sofia muss man erlaufen, die Leute sehen und sich auf die Athmosphere einlassen. Und die kann sogar im Winter sehr angenehm sein, denn es werden in der Sonne schon mal 20 Grad, nur Cafes zum Draussensitzen sind nicht so leicht zu finden. Am Platz des 1.300-Jahre-Hossa-die-Bulgaren-sind-auf-der-Welt befinden sich allerdings dann doch einige Imbissbuden mit Plastikstuhlequivalenten und es gibt sogar Eiscafe am Ausschank.
An meinem letzten WE in Bulgarien haben meine Gastgeber einen Ausflug ueber mehrere Tage in die Rhodopen, ein flaechenmaessig ausschweifendes Grenzgebirge zu Griechenland, organisiert. Wir haben zu acht in zwei Raeumen in einem traditionellen Berghaeuschchen gewohnt. Der Ofen musste die ganze Nacht mit Holz beheizt werden, denn draussen waren es knackige Minus 15 Grad. In der naeheren Umgebung gab es Quellen und Kapellen. Unter anderem auch zur Steigerung der Fertilitaet. Am Montag habe ich noch mal um einen Tag verlaengert und wir sind per Autostop und UraltNahverkehrsbussen (Robur-Style) zu einem Folklorefestival gefahren und sind auch gerade noch so am Abend angekommen. In diesem Bergdorf tanzten die Festivalgaeste in drei konzentrischen Kreisen zu Top-Balkan-Musik. Unbeschreibliche Rhythmen und Klaenge. Ein Minidiskrecorder waere mindestens angebracht gewesen. Tags darauf,nachdem ich rein spirituell meinen Abschied mit meinen Freunden auf einer Waldlichtung auf einem hohen Berg mit rauschenden Fichtenwaelden und plaetschernden Quellen in sternklarer Nacht gefeiert habe - mit einem lachenden und einem weinenden Auge; denn die Leute sind mir trotz Verstaendingungsprobleme ans Herz gewachsen, -
haben wir uns in drei kleine Gruppen gesplitet und sind (bzw. haben versucht) nach Sofia - immerhin 300 Kilometer zu kommen. Per Handy-Rundruf gabs dann auch immer die Zwischenstaende. So durch die Rhodopen zu reisen bringt sehr viel, weil man die Leute von den Doerfern auf der Fahrt etwas erzaehlen lassen kann. Am Abend dann in den Zug nach Saloniki gesetzt - Abfahrt in ein neues Abenteuer und das begann auch prompt, denn mitten in der Nacht quatscht mich ein Italiener aus dem Nachbarabteil an, ob ich auch ERASMUS-Student in Thessaloniki sei. Er gibt mir die erste Lektion in Griechisch, und wohnt zufaelligerweise mit seinen Freunden ueber der Jugendherberge. Also geh ich mit ihm und seinen Kumpels, die Sofia besucht hatten, morgens um 7 zum Hostel, dass aber ausgebucht ist. Kein Problem, kann natuerlich auch in der Italienischen WG pennen und tue das auch die naechsten zwei Tage. Allerdings bezeihnen sich die Studenten nicht als Italiener sondern als ERASMUS-Nationalitate. Das heisst, um kurz vor Acht aufstehen (bevor der Supermarkt an der Ecke zumacht), Essen, Wein, Partys abchecken, Essen, Strandspaziergang, Bar, letztes Mal was essen, frueh um halb Sieben zu Hause ankommen und schlafen. Das mach ich eine Nacht mit (ohne Schluessel bleibt mir auch kaum was anderes uebrig) und am naechsten Tag steh ich um 2 am Flughafen und hole tatsaechlich meinen Freund Robert "Elsch" ab, der von nun an erst mal hier weiterschreiben wird. Puh, geschafft, jetzt einen Ouzo.

Thessaloniki

So, nun bin ich, der Elsch, erst mal am Druecker. Am Mittwoch frueh gings los nach Thessaloniki: Natuerlich ergab sich schon das erste Problem am Flughafen - ich stand in Berlin-Schoenefeld, aber mein Flug ging von Berlin-Tegel, wie ich (noch rechtzeitig) bemerkte. Erstmal Panik geschoben, aber mit einer zusaetzlichen Investition in ein Taxi liess sich der Lapsus relativ problemlos korrigieren. Immerhin lernte ich einen diplomierten Telematikstudenten kennen, der mir taxifahrend alle akademischen Illusionen raubte.
Der Flug selbst war sehr entspannend, in Thessaloniki angekommen genoss ich erstmal die pralle Sonne - geil! Robert erwartete mich plangemaess am Flughafen und eroeffnete mir, dass wir bei Erasmus-Studenten kostenlos uebernachten wuerden und in der Mensa am Platze ebenso kostenlos speisen koennten - fein. Der Nachmittag verfloss in einem Strandcafe, Robert erzaehlte seine Geschichte, und wir warteten darauf, dass unsere Gastgeber aus ihrem komatoesen Schlaf erwachen wuerden. Die Abendgestaltung sah vor, zunaechst in der Altstadt Real Madrid gegen Bayern Muenchen anzuschauen, immerhin Championsleague-Achtelfinalpaarung und aus deutscher Sicht das Spiel des Jahres. Leider liessen sich keine Spanier als Begleitung aquieren, so dass wir allein loszogen. Nach einer etwa anderthalbstuendigen, erfolglosen Suche nach der Altstadt beschlossen wir, nach Aufforderung seitens der Gastschaft, uns in eine dieser auf den ersten Blick gammeligen griechischen Kneipen (etwa der Charme einer besseren Berliner Doenerstube) zu setzen, umrahmt von mehreren aelteren Griechen, die sich hier kartenspielend und ouzotrinkend die Zeit vertrieben. Die Wahl war im Nachhinein nicht schlecht, zwar verlief das Spiel relativ ereignislos und im Ergebnis unbefriedigend, aber immerhin wurde uns (wahrscheinlich mitleidig) ein Bier spendiert und die Leute schienen sich echt zu freuen. Auf dem Rueckweg lief uns dann Valeria, eine unserer Gastgeberinnen, ueber den Weg und vertraute uns den Wohnungsschluessel an, nicht ohne uns noch zur besten Pita Gyros-Stube des Ortes zu fuehren. Wir nutzten die Gelegenheit, und gingen dann schlafen.
Der naechste Tag begann mit Siteseeing, war aber nicht viel, dann noch sozialistisch essen in der Mensa und ab zum Bahnhof. Der Zug zum Olymp ging erst abends, also hingen wir noch ein bisschen mit lauwarmem Griechischen Kaffee in einem zugigen Cafe ab, bevor die Reise weiter ging...

Ein Versuch der Besteigung des Olymp

Etwas ueberraschend wurden wir dann gegen 21 Uhr aus der 30km/h-Bimmelbahn in Litohoro rausgeworfen. Der erste Eindruck war unbefriedigend: 5km bis zur Stadt, kein Bus, kein Auto, einfach gar nichts. Also Rucksaecke aufgesetzt und nach kurzem Kampf mit den beruechtigten griechischen Wachhunden wurden wir per Anhalter in den Ort mitgenommen. Unser Fahrer war des Deutschen maechtig und geleitete uns in eine nahegelegene Pension, wo wir in Abetracht der anstehenden Aufgabe natuerlich nicht sofort schlafen gingen, sondern erstmal die Gegend erkundeten, in einer lustigen Taverna Ouzo tranken und mit einem spendierten Metaxa dann doch den Weg ins Bett fanden.
Am naechsten Morgen trat der worst case ein: Dicke Tropfen versperrten uns den Blick auf den Berg der Goetter. Aber hochmotiviert dachten wir uns: Das wird schon nicht so schlimm. Sollte es aber. Natuerlich waren alle Plaene Quatsch, den Gipfel zu erklimmen, aber bis zum dortigen Bergkloster wollten wir es schon schaffen. Der Aufstieg durch eine Schlucht schien zum Anfang eine Oma-Wanderung zu werden, aber leider verliefen uns schon nach einer halben Stunde. Der Regen wurde staerker, wir kraxelten unorientiert Geroellhaenge hinauf und nach einer Pause im Gebuesch waren wir komplett durchnaesst und kurz vor dem Aufgeben. Durch einen (un)gluecklichen Zufall fanden wir aber dann doch den Weg und stiegen weiter auf, zumal sich das Wetter besserte und uns die Aussicht auf ein warmes Plaetzchen im Kloster aufmunterte. Nach weiteren 4 Stunden gelangten wir tatsaechlich an jenen Ort, nur war keine Menschenseele da. Die Klosterbrueder waren wohl zur Winterzeit nach Sueden geflogen. Nach einer heissen Huehnersuppe, zubereitet im Spirituskocher, blieb uns frierend nur eine Wahl: Der Rueckweg ueber 15km Teerstrasse und immer in Bewegung bleiben. Der bluetenweisse Schnee klaerte uns bald unmissverstaendlich mit, dass mit keinen vorbeifahrenden Autos zu rechnen war, auch das Handynetz schien unverstaendlicherweise auf dem Olymp nicht ausgebaut. Wir nahmen diese weiteren Rueckschlaege gelassen hin, schliesslich waren Todesaengste nun wirklich fehl am Platz. Schlussendlich wurde alles gut, die letzten 3 Kilometer unseres Marsches wurde uns dann doch noch von einem Auto abgenommen und wir kamen heilfroh in der Pension an. Nach heissem Tee und Duschen war die Welt wieder in Ordnung. Ab in die wohlbekannte Taverna und auch von innen waermen. Diesmal wollten uns die Kellner ueberhaupt nicht gehen lassen, Kuchen und Metaxa beanspruchten unsere Konstitution fast mehr als der Olymp - aber natuerlich meisterten wir auch diese Herausforderung mit Bravour - tiefer Schlaf garantiert.

Athen - Eine graesslich schoene Stadt

Der naechste Tag sollte einen moeglichst kostenlosen Transfer nach Athen bringen, da wir dort die dritte Teilnehmerin unserer Reise treffen wollten - Christin aus Greifswald. Punkt Zwoelf standen wir an der Autobahnausfahrt. Der Autodurchsatz betraug, wie wir schnell feststellten, nur ein Auto in fuenf Minuten. Entsprechend langatmig gestalteten sich unsere Bemuehungen, eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Doch dann erbarmten sich die Goetter, und ein seltsamer, etwa 17-jaehriger Junge mit Trainingstasche gesellte sich zu uns und radebrechte irgendwas von Vater und abholen. Der kam dann auch, aber leider mit gesamter Familie inklusive Mutter und zwei Toechtern, macht schon 5 Autoinsassen. Nach kurzer Diskussion auf griechisch (der Junge schien uns sympathisch zu finden) stiegen die beiden Toechter in den Kofferraum des Kombis und wir zuckelten gen Larissa ab. 20 Kilometer spaeter schien die Lage aber doch so prekaer geworden zu sein, dass uns die Griechen einfach auf einem Rastplatz abluden. Wir standen wieder vor dem gleichen Problem: Kein Schwein hielt dort an, die anderen rasten mit etwa 120 Sachen an uns vorbei. Gluecklicherweise hielt dann doch noch ein Auto mit zwei Montenegroern an, dass uns dann immerhin 200km mitnahm. Aber es schien nicht unser Tag zu sein: Auch dort schien es unmoeglich mitzukommen. Mal ein Originalgespraech: Fahren Sie nach Athen? Ja. Wuerden Sie uns mitnehmen? Noe. Lags nun am Bart, oder an den langen Haaren, oder an beidem, es ging nichts im Tramperparadies. Eine amerikanische Blaeserband vermachte mir noch eine Wanderbibel und nach einem Stossgebet gen Himmel ueberredeten wir einen offiziellen Reisebus nach Athen, uns gegen Schmiergeld von 25 Eus mitzunehmen.
Also endlich Athen. Die Einquartierung verlief problemlos, wir schlugen unsere Zelte im Hotel Losanni auf. Nach einer zweistuendigen, erfolglosen Suche nach Pita-Gyros hatten wir noch eine Sandwichbar zu meistern, in der man (auf Griechisch) sich alles zusammenstellen konnte, was man wollte. Die Stadt war auf den ersten Blick stockhaesslich. Samstagabend, alles tot, nur Massen von unkoordiniert fahrenden Autos. Immerhin konnten wir uns auf Christin freuen.

Zusammenfassung der letzten Tage

Also, Athen war doch ganz fein. Haben uns die Akropolis angeschaut, den Tempel des Zeus und diverses anderes. Alles ganz grossartig und beeindruckend, auch die Aussicht war schoen. Wetter war spitze. Die Studentenstadt war recht ueberlaufen, aber ganz nette Kneipen. Es gab Schildkroeten im Park zum Anfassen. Ansonsten war alles Interessante geschlossen, die ganze Stadt ist im Bau fuer Athen 2004 (aber es sieht nicht so aus, als ob es fertig werden wuerde!).
Danach Weiterfahrt nach Corinth - wild im Olivenhain gecampt, sehr romantisch, abgesehen von den wilden Hunden und den kreisenden Hubschraubern. Am Morgen zur Festung hochgestiefelt, 25 Grad in Sonne, aber ein klasse Blick auf die Meere und die Berge. Danach wollten wir weiter nach Mykene, dem sagenumwobenen Schloss des Agamemnon (fuehrte die griechischen Truppen in den Krieg mit Troja). Alte Festungsanlagen, von Schliemann ausgegraben, sogar das Badezimmer des Palastes ist noch erhalten :) Leider konnten wir nicht in die geheime Zisterne, da Christin ihre Taschenlampe vergessen hatte.
Nach einer weiteren Fahrt schlugen wir unser Nachtlager in Ancient Epidaurus auf, wo wir unter Orangenbaeumen campierten und am naechsten Morgen den Sonnenaufgang erlebten und im eiskalten Wasser der Aegaeis badeten. Die unzaehligen verspeisten Orangen lagen uns dann noch am eigentlichen Ziel des Tages im Magen: Das Theater des Epidaurus, ein komplett erhaltenes Amphiteheater (2500 Jahre alt).
Nach soviel alten Steinen unterbrachen wir unsere Bildungsreise und fuhren nach Pilos, dem schoensten Badeort des Peloponnes, wo wir unsere wunden Fuesse und Sonnenbraende schonten. Ein abschliessendes Sonntagsessen mit Meeresfruechten rundete diesen entspannten Tag ab.
Heute fuhren wir 300km mit einem geliehenen Auto um die Halbinsel Mani: Atemberaubende Landschaften, original griechische Bergdoerfer mit hutzligen Frauen, eingestuerzten Kirchen und prima griechischer Hausmannkost.
Also, jeden Tag ein neues Highlight, uns gehts bestens, alle sind gesund und gluecklich. Das fruehlingshafte Wetter verwoehnt uns mit Sonnenschein und ueberall bluehenden Bluemeleinchen :) - besser gehts nicht!!!

Olympia in Aufruhr

Am naechsten Morgen sind wir dann weiter nach Olympia gefahren. Ein kleines Touristendorf, gebaut in der Naehe der Ruinen der legendaeren griechischen Sportstaetten. Wie wir bei unserer Ankunft erfuhren, sollte dort am uebernaechsten Tag der Olympische Fackellauf beginnen, der das Olympische Feuer um die Welt traegt. Schoen, dachten wir uns, das passt ja. Leider waren infolge der hektischen Vorbereitungen sowohl die Ruinen als auch das Archeologische Museum fuer Besucher geschlossen, so dass wir uns zunaechst die Generalprobe fuer das Spektakel ansahen und dann ein wenig in der herrlichen Umgebung wanderten. Abends gab es dann noch Folkloretanz vor dem Rathaus, ein bisschen langweilig, aber ganz nett. Am griechischen Unabhaengigigkeitstag dann die komplette Zeremonie: Massen von Griechen zwaengten sich in die heiligen Staetten, gesaeumt von Massen von grinsenden, aber erfolglos ordnend eingreifenden Polizisten. Tumultartige Szenen, aber alles mit Volksfestcharakter und mit der noetigen griechischen Gemuetsruhe. Die gesamte griechische Politik war versammelt, ebenso natuerlich die Herren vom IOC. Und ein Haufen Militaers. Robert salutierte spasseshalber einem vorbeifahrenden Viersternegeneral mit bulligem Schnauzer, der auch prompt gnaedig zurueckwinkte. Die Zeremonie selbst bestand groesstenteils aus leichtbekleideten, tanzenden jungen Frauen, die das Feuer mit einem Spiegel entzuendeten und dem ersten Laeufer uebergaben. Alles ganz lustig. Danach noch ins Museum, ganz toll gemacht und auf den Punkt fertig geworden. Es gab prima Statuen und sonstiges zu sehen, dank der sehr informativen Beschriftungen alles sehr sehenswert.
Am Nachmittag stiegen wir dann in den Bus, um nach Delphi zu fahren, und uns dort vom Orakel unsere weitere Reise planen zu lassen. Zwischenstopp mit Uebernachtung in Patras, die Zug/Busfahrt war ganz fein - links das Mittelmeer und rechts schneebedeckte Gipfel. Am Abend haben wir dann noch eine Amerikanerin ins Hostelzimmer gesteckt bekommen, die ein bisschen hippimaessig drauf war. Sie machte grad eine Rundreise durch Europa und erzaehlte uns von den Energien, die sie ueberall (nicht) gespuert hatte. Komische Tante, aber lustig.
So, gestern sind wir wieder den ganzen Tag gefahren, haben uns nach zaeher Verhandlung in ein Hotelzimmer einquartiert, dass genauso teuer war wie der Zeltplatz, und haben erstmal gut gekocht (erstaunlich, was dieser Campingkocher so alles leistet) und uns ordentlich mit Ouzo betrunken.
Aber das Aufstehen hat ja heut gut geklappt, wir werden uns also gleich zum Orakel begeben. Bei stabiler Wetterlage versuchen wir dann mal morgen, den Mount Parnassos zu besteigen, den Berg der Musen. Hoffentlich faerbt was ab...
Also uns gehts immernoch super, das Wetter ist inzwischen etwas bergig, die Ernaehrung reichhaltig, der Alkoholspiegel wieder auf normale Werte gesunken. Ich wuerde sagen: Alles im Lot aufm Boot!

Comments for semmel
AliKnutze Sun Mar 28, 2004 23:09 UTC
 Rob'n'Rob! Ach die Szene mit dem General hätte ich nur zu gerne gesehen... Gestern war Abschiedsparty bei Tamas in Erfurt. Die beste Party seit einem Jahr. Nur Mädels, like heaven! Viel Spass noch bei Ouzosaufen. Ali
Hocker Fri Feb 20, 2004 18:22 UTC
 Hey Robert, hört sich alles recht urig an, jedoch irgendwie kurz. Nur ein paar Tage in Budapest, dem Paris des Ostens und nach den Karpaten, wohin?


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