Sorry, only in german ...
Hallo, hier folgt der versprochene Reisebericht nach meiner Russland-Tour. Natürlich wird nicht alles erwähnt, denn ich lege absolut keinen Wert auf den Pulitzer-Preis oder den Literatur-Nobel-Preis.
Der erste Schritt war, wie es ja nun so ist, das VISUM. Das russische Generalkonsulat ist ja bekanntlich in Hamburg, wo auch der HSV seinen Sitz hat. So war es nicht ganz unpraktisch, dass am 11.06. dort die Vorstellung des neuen Ticket-Systems stattfand. Normalerweise dauern die Treffen der Vorverkaufsstellen maximal eine Stunde. Als dann das Thema "Mittagspause" vom HSV angesprochen wurde, wurde ich doch etwas nervös. Aber die ganze Geschichte war dann zum Glück um kurz nach 13.00 Uhr beendet und ich habe dann versucht, mittels Stadtplan das Konsulat zu finden. Dieses fand ich dann auch gegen 13.30 Uhr. Dort hing dann ein Zettel an der Wand, dass das Konsulat am 12.06. geschlossen ist (Feiertag in Russland). Super, dachte ich mir, bis mir dann klar wurde, dass es "morgen" war. Der nächste Tiefschlag waren dann die Öffnungszeiten (09.00 - 12.00 Uhr). Ich dachte mir dann, dass demjenigen der klingelt, vielleicht dann auch aufgemacht wird. Und so war es. Einige Leute waren noch vor mir dran, so dass ich eine knappe Stunde im Konsulat verbringen durfte. Ich will mich jetzt ja nicht loben, aber ich war der einzige, der alle Papiere und das nötige Geld dabei hatte....
Die Geschichte mit dem Abholen des Visums war noch aufregender, aber auch ziemlich langwierig. Deshalb lasse ich sie jetzt weg.
Es wurde also der Abend des 03.07.2001 und ein Tag später war der Flug. Abends schaut man natürlich Nachrichten und die aktuellste Meldung war natürlich der Absturz einer Tupolev TU-154 bei Irkutsk.
Ich bin dann am 04.07.2001 am Flugplatz bei der Sicherheitskontrolle und bei meinem Handgepäck geht der Spreng-stoffalarm los. SUPER!!! Irgend eine chemische Verbindung im Verpackungsmaterial von Julia´s Geburtstagsgeschenk sah wie TNT oder so ähnlich aus. Ich kann euch sagen, in so einer Situation kommt man sich sehr blöde vor. Das Gefühl ist ungefähr dasselbe, als wenn man im Laden bezahlt hat und die CD hatte zwei Diebstahlschutzetiketten. Nun hieß dann auf den Shuttle-Bus warten, um zum Flieger gebracht zu werden. Der Bus kam und wo brachte er uns hin? ZU EINER TU-154! Das baute wieder richtig auf und bei Einsteigen habe ich dann erst mal nach fehlenden Nieten gesucht (waren aber alle da, glaube ich!).
Bei meinem sprichwörtlichen Glück war es dann auch noch ein Nicht-Raucher-Flug und ich durfte mit meiner Zigarette bis St. Petersburg warten. Dann kam die obligatorische Passkontrolle durch die russische Miliz (was die Dame vom Dienstgrad war, weiß ich leider nicht, jeder zweite trägt dort Uniform mit Schulterklappen, die noch viel viel wichtiger als meine Obermaatenklappen aussehen). Zu erwähnen bleibt noch, dass erst mal 45 Minuten gewartet wurde, bis die Kontrolle begann....
Kontrolle war erledigt!!! Und ich suchte meinen Koffer! Es gab da so ein Laufband und als dann zum dritten Mal derselbe Koffer kam und meiner nicht, wurde ich doch wieder etwas nervös und suchte mir jemand in Uniform. In einem dreisprachigen Mischmasch ("Dobry den, where is my Koffer?") erfuhr ich dann, dass es noch ein zweites Laufband hinter der Ecke gab. Dort war dann ein einsamer Koffer und das war meiner. Ha, endlich, gleich sehe ich meinen Schatz Julia! Aber das nächste Problem ließ nicht allzu lange auf sich warten. Es gab zwei Ausgänge. Einen mit einer langen Schlange und vielen Uniformen (Aufschrift: "GOODS TO DECLARE") und einen mit keiner Schlange ("GOODS NOT TO DECLARE"). Frechheit siegt, dachte ich mir, ging dort durch und lief meinem Schatz Julascha in die Arme, die mich mit ihrer Freundin Lena dort abholte...
Wir nahmen uns dann so ein Sammeltaxi (12 Rubel sind weniger als 60 Dollar für ein normales Taxi) und fuhren in die Stadt hinein (der Pulkovo Airport liegt etwas außerhalb von St. Petersburg). Da ich jetzt unbedingt METRO fahren wollte, stiegen wir an einer der vielen Metro-Stationen aus. Durch die Tür, durch ein Drehkreuz (vorher 5 Rubel) und mit der Rolltreppe in einem Affenzahn 50 m (mindestens!!!) nach unten. Jetzt mussten wir schon die erste Foto-Pause machen, denn jede Metro-Station ist ein Museum für sich (Säulen, Statuen, Sowjet-Sterne und und und). Die Metro bekam im zweiten Weltkrieg oder kurz danach übrigens die höchste Auszeichnung der Sowjetunion, den LENIN-ORDEN.
Als wir dann an der richtigen Station (mit Umsteigen) waren, fuhren wir dann wieder mit der Rolltreppe nach oben und stiegen in einen sogenannten Trolley-Bus. Das sind Elektrobusse mit Stromabnehmern, die fast so wie lange Angelruten aussehen (und des öfteren mal abfallen, dann bleibt der Bus sofort stehen und das ohne Vorwarnung). Nach der Dusche bei Lena, wo wir in St. Petersburg gewohnt haben, war ein kurzer Einkauf notwendig. Ab zum Markt (bei 28 Grad zwei Kilometer zu Fuß!). Hier wurde ich dann fast von einem 25 Jahre alten Lada plattgemacht. Fußgänger scheinen in Russland entweder Freiwild oder aber persönliche Beleidigungen eines jeden Autofahrers zu sein. Hierzulande fährt man an einer Ampel ja erst los, wenn sie grün zeigt und nicht schon, wenn die Fußgängerampel auf ROT umspringt. In Russland schon! Der Fahrer hat wahrscheinlich nicht einmal verstanden, was ich ihm auf deutsch hinterher gebrüllt habe (was wohl besser war...). Nach dem Einkauf kochte mein Schatz uns dreien dann Pilmeni (ähnlich wie Ravioli) und die schmecken zu Wodka echt nicht schlecht. Die Pilmeni waren alle, der Wodka nicht und dann ging der erste Abend doch noch bis ca. 03.00 Uhr (Bier der Marke Baltica 5 hatten wir auch noch).
Da die Metro nur bis um 00.30 Uhr in Betrieb ist und wir auch noch später unterwegs waren, mussten wir ja auch irgendwie wieder in die Wohnung von Lena kommen. Dazu wurden dann irgendwelche Autos mittels Ausstrecken des Armes angehalten und man bot dem Fahrer dreissig Rubel, wenn er uns drei nach Hause fahren würde. Die meisten machen das auch. Und da auch in Russland der Spruch "time is cash, time is money" gilt, geschah das wieder in einer tierischen Geschwindigkeit. Sogar Miliz-Fahrzeuge wurden mit 80 Sachen überholt.
Am nächsten Tag (oder war es noch derselbe?) fuhren wir dann in die Stadt hinein zu den Märkten und Einkaufsläden. Auf den Märkten stehen ganz viele identische "Buden/Kioske" in geometrisch exakt ausgerichteter Art und Weise, die viele verschiedene Sachen verkaufen. In Russland gibt es keinerlei Preisbindung und so kommt es denn auch vor, dass man an fünf nebeneinanderliegenden Kiosken für dieselbe Zigarettenmarke vier verschiedene Preise zahlt. Freie Preisgestaltung, hat das nicht etwas Kapitalistisches??? Aber es gibt dort auch ziemlich viele "gewohnte" Läden, z. b. auf dem Newski-Prospekt.
Am Abend fuhren wir dann mit Trolley-Bus und Metro (siehe oben) zum Moskauer Bahnhof. St. Petersburg hat mehrere Bahnhöfe, die grob die jeweilige Richtung angeben (Baltischer, Warschauer etc). Julia hatte uns beiden dann Tickets für ein Vierer-Abteil besorgt, welches sich dann als mit uns komplett besetzt heraus stellte. Die oberen Kojen blieben leer. Unser Waggon wurde übrigens von "VEB Waggonbau Schießmichtot" gebaut. Der Zug fuhr so gegen 23.00 Uhr ab und wir kamen morgens gegen 07.30 in Petrozawodsk an, wo ihr Papa uns am Bahnhof abholte. Geschlafen habe ich wenig während der Fahrt, sondern mir eher die russischen Dörfer angeschaut. Bei einem längeren Halt habe ich dann mein Wörterbuch genommen und versucht, den Ortsnamen zu übersetzen (ist gar nicht so einfach!). Als ich Julia dann fragte, wie weit es denn noch vom Ort "PLATFORMA2" ist, sagte sie mir, das Platforma "Bahnsteig" bedeutet... In Petrozawodsk wurden wir, wie gesagt, dann von Julia´s Papa abgeholt und es gab nach einer Dusche dann erst mal ein Frühstück. Der Tag war eigentlich gegessen, aber auch dort gab es Trolley-Busse und wir fuhren in die Innenstadt. Der Ortsteil Kukkovka ist eher ein Wohngebiet (aber mit dem üblichen Markt...). Gegen Abend gingen wir dann noch in Kukkovka mit Julia´s Hund (irgendwie mochte der mich nicht...) spazieren. Als kampferprobter Angler hatte ich natürlich KEIN Mückenspray mit und lief in kurzen Sachen durch den Wald bzw. daran vorbei. GROSSER FEHLER! Die karelischen Mücken sind so etwas von aggressiv, wie ich es nicht mal beim Nachtangeln erlebt habe. Ich habe mir noch nie selbst so viele Ohrfeigen verpasst wie an diesem ersten Tag.
Tja, was haben wir noch gemacht? Wir wollten im Onega-See baden gehen, aber nach der Temperaturprobe habe ich mich dann nur in die Sonne gelegt. Außerdem war im Wasser etwas, was wie Plastik aussah. Im Kino haben wir Lara Croft gesehen (auf Russisch!). Das meiste habe ich verstanden, denn Schüsse aus einer MPi hören sich eigentlich immer gleich an und viel gesprochen wurde in dem Film nicht. Bei Julia´s Arbeitsstelle bei der Zeitung wurde ich von allen ganz herzlich begrüßt. Ok, von EINEM (!) nicht, aber darauf habe ich auch keinen Wert gelegt. Aber von den Kolleginnen von Julia hat ER später sein Fett weg bekommen.
Auf der Insel Kishi (Freilichtmuseum mit vielen Holzkirchen) waren wir dann auch noch. Mit einem Tragflächenboot konnten wir für knapp 70 Rubel hinfahren, weil Julia die Karten holte (ich hätte mehr bezahlt). An der Kasse auf der Insel mussten wir leider die Ausweise vorzeigen. Das Ergebnis waren für Julascha 20 Rubel und für mich 292 (zweihundertzweiundneunzig!).
Aber der Eintritt hat sich gelohnt. Andere Sehenswürdigkeiten war das Restaurant vom Fan-Club Spartak Moskaus. Die Speisen heissen dort z. B. Angriff, Elfmeter, Einwurf etc. Vor dem Betreten wurde ich von Julia geimpft, KEIN Wort über Zenith St. Petersburg zu sagen. Das Verhältnis dieser Vereine scheint so ähnlich zu sein wie zwischen der SG Flensburg und dem THW Kiel bzw. St. Pauli und dem HSV (forever and ever...). Aber der Salat Attacke hat trotzdem geschmeckt. Vielleicht lag es aber auch daran dass Zenith zwei Tage vorher gegen Spartak mit 2:1 gewonnen hat...
Dann waren wir noch bei oder in "Kiwatsch" (oder so ähnlich). Dort ist der zweitgrößte europäische Wasserfall in einer sehr schönen Landschaft. Mit dem Auto und Papa als Chauffeur ging es über eine sehr lange Straße, wo rechts und links nur karelische Birken standen. Die Sichtweite in den Wald waren maximal zehn Meter. Auf dem Rückweg habe ich dann meine ersten Walderdbeeren und Blaubeeren gesammelt.
Was haben wir in Petrozawodsk noch gemacht? Mit einigen Freunden von Julia (Armen und Mischa) waren wir am Ufer des Onega-Sees und haben bei einem Lagerfeuer Pivo getrunken. Das heißt BIER (mein erstes in Russland gelerntes russisches Wort, Wodka konnte ich schon vorher). Mischa hat uns dann mit seinem Lada in der dort üblichen Innenstadt-geschwindigkeit von ca. 80 Sachen nach Hause gefahren. In Russland ist es nicht mal illegal, einen Radarwarner ins Auto einzubauen... Und fast jedes Auto dort, egal wie alt, hat eine Wegfahrsperre und/oder Alarmanlage.
Über den für Julia und mich wichtigsten Punkt meiner Reise werde ich mich ausschweigen, nur soviel sei gesagt: es wird in Dänemark und wahrscheinlich im Herbst diesen Jahres erledigt... Ansonsten ist es ziemlich PRIVAT, was den vorletzten Tag in Petrozawodsk angeht... Das war nämlich die Aktion, wo ich bei Julia´s Eltern um die Hand ihrer Tochter angehalten habe.
Dann hieß es Abschied nehmen von Petrozawodsk und wir fuhren wieder mit VEB Waggonbau nach St. Petersburg. Leider waren wir diesmal nur die eine Hälfte vom Vierpersonenabteil. Eine Mutter mit ihrer dicken Tochter war auf dem Weg nach Tuapse (Kurort auf der Krim). Und wir hatten diesmal die oberen Kojen... War echt hoch, wenn man runtergesehen hat. Und alles ohne Gitter... Und die Schienen waren alles andere als eben...
In St. Petersburg haben wir uns dann noch die Sehenswürdigkeiten angesehen (blödes Deutsch!). Z. B. die Peter-Paul-Festung, den Kreuzer Aurora (Stichwort Oktober 1917) sowie die Brückenöffnung auf der Neva. Gebadet habe ich dann auch noch, in der Nevka, einem Nebenarm der Neva. Die längste Fahrt haben wir dann noch mit der Vorortbahn unternommen, nach Petroworedsk (Peterhof). Dies ist der Sommersitz der Zaren (war er jedenfalls mal...). Dort gibt es wahnsinnig viele Springbrunnen und Kaskaden (LOHNT SICH WIRKLICH!!!). Auf dem Rückweg haben wir noch eine Freundin von Julia, Oksana, und ihren Mann besucht. Leider kenne ich den Namen von diesem Ort nicht mehr. Dort "durfte" ich auf einen echten T-80 (das ist der neueste russische Kampfpanzer!) klettern und mich fotografieren lassen. Als dann plötzlich jemand mit vielen Sternen auf der Schulter angelaufen kam, sah ich den Flieger schon ohne mich abheben. Aber alles ging glatt und wir kamen wieder zusammen in St. Petersburg an. Am Tag danach stand dann leider die (vorläufige) Trennung von meinem Schatz an (schnief!). In der Metro haben wir uns dann verfahren (eine Station zu spät, war ganz schön weit weg!). Aber zum Flieger bin ich dann noch rechtzeitig gekommen. Als ich dann wieder durch die Sicherheits-kontrolle musste, hatte ich doch einen ziemlichen Kloß im Hals.
Aber bald sehe ich Julia ja wieder und dann.....
So, dies war jetzt der vorläufige Bericht. Mehr fällt mir sicherlich ein, wenn ich die acht Filme vom Entwickeln abgeholt habe. Vielleicht stelle ich einige mal irgendwie ins Internet...
Ich möchte noch erwähnen, dass ich von Julia´s Familie und ihren Freunden so aufgenommen wurde, als ob wir uns schon Jahrzehnte kennen. Es war echt super und ich kann jedem nur empfehlen, mal nach Russland zu reisen und abseits der normalen (offiziellen) Wege zu wandeln. Ihr werdet viele neue Eindrücke erleben. Und ich weiss, dass ich wahnsinnig verliebt bin...
Viele Grüße
Jan
...und inzwischen haben wir am 25.10.2001 geheiratet und leben gemeinsam total verliebt in Flensburg an der schönen Ostsee.
Sollte jemand Fragen haben, bitte direkt an jh@cruise.de mailen, da ich meine VT-Mailbox nur ziemlich sporadisch überprüfe..... |